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1) Fachprofil

Aus dem Fachprofil Wirtschaft und Recht im G8-Lehrplan

Selbstverständnis des Faches

Die Wirtschafts- und Rechtsordnung prägt in entscheidendem Maß gesellschaftliche und politische Strukturen und Prozesse. Sie definiert und garantiert die grundlegenden ökonomischen Freiheiten des Einzelnen und gibt den Rahmen vor, in dem Haushalte und Unternehmen wirtschaftlich handeln und entscheiden können. Diese Bedeutung der Wirtschafts- und Rechtsordnung soll am Gymnasium vor allem das Fach Wirtschaft und Recht aufzeigen. Ausgehend von aktuellen einzel- und gesamtwirtschaftlichen Themen lernen die Schüler nicht nur die Gestaltungselemente dieser Ordnungssysteme kennen, sondern auch ihren Wertegehalt, ihre historischen Wurzeln und ihre theoretischen Grundlagen. Daraus erwächst die Fähigkeit, wirtschaftliche und rechtliche Sachverhalte zu beurteilen, ökonomische Entscheidungen verantwortungsbewusst zu treffen und aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Den Schülern wird dabei auch bewusstgemacht, wie der europäische Einigungsprozess und globale Entwicklungen den Alltag zunehmend prägen. Dadurch wird die Bereitschaft gefördert, sich mit Veränderungen rational und aufgeschlossen auseinanderzusetzen und die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen.

Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung

Die Schüler werden bei ihren persönlichen Erfahrungen in vielfältiger Weise mit den komplexen Strukturen unserer modernen Industrie- und Informationsgesellschaft konfrontiert. Um diese erfassen und beurteilen zu können, ist es notwendig, wirtschaftliche und rechtliche Einzelphänomene in größere Zusammenhänge einzuordnen. Dies erfordert neben einem fundierten fachlichen Basiswissen ein ganzheitliches Denken in Systemen und Modellen. Die Beschäftigung mit aktuellen Problemstellungen fördert die Offenheit gegenüber Neuem, die Fähigkeit, sich Zusammenhänge aktiv und konstruktiv zu erschließen, sowie die Kompetenz, auch zukünftige wirtschaftliche und rechtliche Entwicklungen zu erfassen.

Ökonomische Bildung verdeutlicht den Jugendlichen, dass es bei vielen Entscheidungen letztlich um ein Abwägen von Aufwand und Nutzen geht. Dabei sollen sie über die individuelle und kurzfristige Betrachtung hinaus auch globale, langfristige sowie immaterielle Aspekte der ökonomischen Entscheidung bedenken.

Die Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Themen, dem europäischen Einigungsprozess und globalen wirtschaftlichen Zusammenhängen zeigt den Schülern Herausforderungen und Chancen des beruflichen und unternehmerischen Engagements in einer zunehmend international arbeitsteiligen Wirtschaft.

Schon Jugendliche sind in ein Geflecht wirtschaftlicher und rechtlicher Beziehungen eingebettet. Mit der Jahrgangsstufe 9 setzt der Unterricht im Fach Wirtschaft und Recht in einer Altersstufe ein, in der neben einer wachsenden Fähigkeit zur Abstraktion vor allem die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit individuellen und gesellschaftlichen Werten zunimmt. Der Unterricht bezieht die Erfahrungswelt der Jugendlichen mit ein und macht ihnen bewusst, dass man mit einer erfolgreichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht nur sich selbst verwirklicht, sondern auch zum Wohlstand der Gesellschaft beiträgt. Die Diskussion zu sozialen, rechtlichen, ökologischen und wirtschaftsethischen Problemstellungen zeigt Standpunkte, ermöglicht Orientierung in komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen und hilft so den Heranwachsenden, die eigene gesellschaftliche Rolle zu finden. Dies fördert Verantwortungsbereitschaft, soziale Sensibilität und Konfliktfähigkeit.

Die handlungsorientierte Beschäftigung mit wirtschaftlichen und rechtlichen Entscheidungsalternativen vermittelt Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Sorgfalt. Dabei erfahren die Jugendlichen auch, wie ihr eigenes Handeln durch die beschränkte Verfügbarkeit von Gütern sowie durch die Entscheidungen und Rechte anderer beeinflusst wird. Sie sehen so die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren und rechtlich Erlaubten.

Die Berufswahl hat für Lebensentwurf, Selbstwertgefühl und Selbstverständnis der Jugendlichen eine herausragende Bedeutung. Neben einem Überblick über schulische und berufliche Bildungswege gibt das Fach Wirtschaft und Recht mit seiner Praxisnähe Einblicke in die Arbeitswelt und damit eine wesentliche Hilfestellung zur beruflichen Orientierung. Darüber hinaus werden die Schüler befähigt, den Prozess ihrer Berufswahl verantwortungsvoll zu gestalten und sich korrekt zu bewerben. Die Einbeziehung der Informationstechnologien in den Unterricht vermittelt beruflich und privat nutzbare Medienkompetenz.

Das Fach fördert das Bewusstsein für die Knappheit von Ressourcen und zeigt, wie sich ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung gegenseitig bedingen. Dabei wird den Jugendlichen die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens bewusst und so ein wichtiger Beitrag zur Umweltbildung und Friedenserziehung geleistet. Zusammen mit den anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, insbesondere der Sozialkunde, informiert das Fach die heranwachsenden Staatsbürger über grundlegende soziale und politische Zusammenhänge.

Ziele und Inhalte

Die vielfältigen Bezüge des Faches machen es in besonderer Weise erforderlich, im Unterricht immer wieder auf die Kernbereiche des ökonomischen und rechtlichen Wissens zurückzugreifen. Das in den Jahrgangsstufenlehrplänen ausgewiesene Grundwissen beinhaltet neben Grundbegriffen und Grundkompetenzen auch Grundstrukturen, die als elementare Denk- und Betrachtungsweisen des Faches bei verschiedenen Inhalten wiederholt zur Anwendung kommen (z. B. Bewusstsein, dass die Knappheit von Ressourcen rationale Entscheidungen erfordert). Dabei werden vor allem folgende fachbezogene Grundkompetenzen vermittelt:

• mit Zahlen, Fachtexten und Graphiken arbeiten: Informationen beschaffen, auswerten, aufbereiten, argumentieren, präsentieren

• Lösungsstrategien entwickeln und rationale Entscheidungen treffen: bewerten, beurteilen, entscheiden

• in Modellen denken: zusammenfassen, vereinfachen, strukturieren, anwenden

• vernetzt denken: komplexe Einflussfaktoren erfassen, Zusammenhänge herstellen

• Arbeit organisieren: Arbeitsabläufe analysieren, strukturieren, evaluieren

Inhalte der Mittelstufe: Vom Haushalt zur Weltwirtschaft

Der Unterricht setzt in der Jahrgangsstufe 9 mit Themen aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen im Bereich des privaten Haushalts ein. Anschließend wird die einzelwirtschaftliche und privatrechtliche Sicht um die Perspektive des Unternehmens erweitert. In der Jahrgangsstufe 10 öffnet sich der Blick auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge in Deutschland, Europa und der Welt. Das zunehmende Abstraktionsvermögen der Jugendlichen ermöglicht dabei bereits die Anwendung volkswirtschaftlicher Modelle. Damit wird eine wichtige Grundlage für das wissenschaftspropädeutische Arbeiten in den Jahrgangsstufen 11 und 12 des Gymnasiums gelegt.

Wirtschaftliches Handeln der privaten Haushalte

• Entscheidungen beim Konsum und beim Umgang mit Geld

• Entscheidungen im Zusammenhang mit Ausbildung und Berufswahl

Rechtliches Handeln der privaten Haushalte

• Bedeutung und Abschluss von Verträgen am Beispiel der Kaufhandlung

• Rechte des Verbrauchers bei Pflichtverletzungen

• Die rechtliche Stellung Minderjähriger

Wirtschaftliches und rechtliches Handeln in Unternehmen

• Entscheidungen bei der Gründung eines Unternehmens

• Typische Geschäftsprozesse in Unternehmen

• Das Rechnungswesen als Grundlage unternehmerischen Handelns

Denken in gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen

• Unternehmen und Haushalte auf dem Markt

• Unternehmen und Haushalte in der Gesamtwirtschaft

Zentrale Aspekte der deutschen Wirtschafts- und Rechtsordnung

• Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung

• Steuern und soziale Sicherung in der sozialen Marktwirtschaft

• Öffentliches Recht als Handlungsrahmen

Europäische Einigung und weltwirtschaftliche Verflechtung

• Chancen und Risiken internationaler Arbeitsteilung

• Währungen und Europäische Währungsunion

• Europäisches Recht als Quelle nationalen Rechts

Inhalt der Oberstufe: Urteilskompetenz in ökonomischen und rechtlichen Fragen

In den Jahrgangsstufen 11 und 12 wird den Schülern bewusstgemacht, dass ökonomische und rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten von Zielkonflikten bestimmt sind und dass verantwortungsvolle wirtschaftspolitische Entscheidungen nur auf der Basis einer fundierten Analyse der Sachlage, der zugrundeliegenden Annahmen und einer wertorienterten Beurteilung getroffen werden können. Die Kenntnisse und methodischen Kompetenzen der Schüler werden dabei anhand folgender Themenbereiche auf einem höheren Abstraktionsniveau erweitert und vertieft:

Wirtschaft ...

• Wirtschaftliche Zielsetzungen in der sozialen Marktwirtschaft

• Volkswirtschaftliche Schwankungen und Konzepte der Wirtschaftspolitik

• Wirtschaftspolitische Entscheidungsfelder: Beschäftigung und Einkommen, Geld und Währung, Außenwirtschaft

... und Recht

• Grundlagen unserer Rechtsordnung

• Grundfragen und juristische Arbeitstechnik

• Prinzipien des Strafrechts

• Aufbau des Bürgerlichen Gesetzbuches; Analyse und Anwendung von Rechtsnormen: Recht der Leistungsstörungen, Eigentumsordnung

Schule und Wirtschaft

Mit seinem Praxisbezug hat das Fach eine Schlüsselstellung im Kontakt der Schule zur Arbeitswelt. Dieser wird z. B. durch Betriebserkundungen, Expertenreferate und Betriebspraktika gepflegt. Aber auch innerhalb des Schullebens lassen sich z. B. SMV-Tätigkeit oder die Gründung eines Schülerunternehmens als praxisbezogener wirtschaftlicher Handlungsrahmen nutzen. Als simulierte Wirklichkeit haben Planspiel und Fallstudie im Unterricht einen hohen Stellenwert.

Quelle: nach ISB – Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, Fachprofil Wirtschaft und Recht, 2004, http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26398

2) Mitglieder der Fachschaft

Schneider, Jan, StR, Fachbeauftragter Wirtschaft und Recht

Dehler, Katja, StRefin

3) Veranstaltungen im Fach Wirtschaft und Recht

a) 10. Klassen: Teilnahme am Planspiel Börse

b) 10. Klassen: Teilnahme am Planspiel Schul/Banker

c) 10. Klassen: Fahrt zur Frankfurter Wertpapierbörse

Am Montag, den 25.02.2013 hatten ausgewählte Schüler der 10. Klassen des MPG Mellrichstadt die Gelegenheit, ihre im Wirtschaft und Recht-Unterricht erworbenen Kenntnisse über die Börse und das Marktgeschehen in Frankfurt am Main zu vertiefen. Bereits frühmorgens machte sich die Gruppe, bestehend aus 24 Schülern, begleitet von den Lehrkräften Frau Fucks und Herrn Schneider sowie zwei Vertretern der Genobank Rhön-Grabfeld, Herrn Suckfüll und Herrn Opitz, die diese Fahrt organisierten, auf den Weg in die Finanzmetropole.

Angekommen in Frankfurt wurde die Gruppe von Vertretern der DZ Bank, also der „Mutterbank" aller Genossenschaftsbanken, in Empfang genommen und in deren Zentrale in einem typischen Frankfurter Hochhaus geführt. Mit einem fantastischen Blick über die Skyline der Mainmetropole erwartete die Gruppe ein Fachvortrag über den Arbeitsalltag eines Aktienprofis, die Marktsituation in Deutschland sowie Ausbildungsmöglichkeiten bei der DZ Bank. Sehr interessiert zeigten sich die Schülerinnen und Schüler beim Themenkomplex der Staatsverschuldung und der Rolle der Banken in der internationalen Finanzkrise und bereicherten den Vortrag durch kritische Rückfragen.

Gestärkt von einem reichhaltigen thailändischen Mittagsbuffet besuchte die Gruppe anschließend die Frankfurter Wertpapierbörse, wo sie ein Vortrag über das Börsengeschäft in Deutschland sowie Struktur und Aufbau der Frankfurter Wertpapierbörse erwartete. Selbstverständlich durfte hierbei ein Besuch des berühmten „Parketts" nicht fehlen, das die Schülerinnen und Schülern bereits aus den Fernsehnachrichten bei der Verkündung der Aktienkurse kannten. Sichtlich beeindruckt war die Gruppe von der Gelassenheit der Wertpapierhändler, die – wie so mancher vermutete – nicht wild durcheinanderriefen, sondern ihre Arbeit komplett mithilfe der Handelsplattform XETRA am PC abwickelten. Diese Gelassenheit übertrug sich scheinbar jedoch nicht auf die Schüler, die nach der Besichtigung – meist erfolglos – noch versuchten, als Souvenir den als Wahrzeichen der Börse bekannt gewordenen Bullen, Symbol für steigende Aktienkurse, als Schaumstoffnachbildung zu erwerben. An dem nicht weniger bekannten Bären, Symbol für fallende Aktienkurse, hatten jedoch weitaus weniger Schüler Interesse.

Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch des Geldmuseums der Deutschen Bundesbank, wo mithilfe zahlreicher Exponate und Spiele versucht wird, dem Besucher Geschichte und Funktion des Geldes näherzubringen. Angefangen von Zwischentauschmitteln längst vergangener Zeiten wie Kaurimuscheln und Teeziegeln, dem Inflationsgeld der frühen Weimarer Republik bis hin zum Neudruck des 5€-Scheins konnten alle Formen des Geldes bewundert werden. Auch dass sich die zentrale Aufgabe der Europäischen Zentralbank, nämlich die Wahrung der Preisniveaustabilität, schwieriger als gedacht gestaltet, konnte mit Hilfe eines Geschicklichkeitsspieles und einer Computersimulation nachvollzogen werden.

Alles in allem zeigten sich die Schülerinnen und Schüler sowie deren begleitende Lehrkräfte äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Exkursion und danken der Genobank Rhön-Grabfeld nochmals ganz herzlich für deren Organisation.

Jan Schneider