Am Mittwoch, dem 07. Oktober 2026, bot Monika Jalili den Klassen zehn bis zwölf einen Einblick in ihre bewegende Familiengeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus – und hielt damit die Erinnerung an die Verbrechen des Dritten Reiches wach.
Jalili möchte die Geschichte ihres Vaters, Walther Bergenthal (geb. 1934), an die Öffentlichkeit bringen. Denn das, was die jüdische Familie – neben ihrem Vater auch dessen Vater Ignatz Bergenthal sowie seine Mutter und Schwester – erleben musste, ist nur ein Beispiel von vielen. Ihr Urgroßvater Gerson Bergenthal hat jahrelang in Bad Neustadt gearbeitet – deswegen recherchierte Jalili, die in den USA geboren und derzeit in Montpellier / Frankreich lebt, auch dort.
1936 zog die Familie von Frankfurt / M. nach Amsterdam, wo sie allerdings die Einschränkungen der Nationalsozialisten nach dem Einmarsch Deutschlands in die Niederlande 1940 erleben mussten. Kindern war es verboten worden, in die Schule zu gehen; Menschen wurden abtransportiert und jeder wusste: Wer geht, kommt nicht zurück. Jüdische Kultusgemeinden wurden gezwungen, Deportationslisten zu erstellen. Es war, als müssten sie die schreckliche Entscheidung treffen, welche ihrer jüdischen Genossen sterben sollten – aber sie hatten keine Wahl. Monika Jalilis Großvater war Mitglied in einer solchen Gemeinde.
1943 wurde die Familie Bergenthal in das NS-Durchgangslager Westerbork gebracht. Dort war es wie eine Art „Warteraum für die lebenden Toten“, denn jeden Dienstagmorgen kamen „neue“ Menschen in das KZ. Schließlich wurde Monika Jalilis Familie nach Bergen-Belsen deportiert.
Neue Hoffnung schöpfte die Familie 1944. Die Bergenthals waren vier der 222 jüdischen Häftlinge, die das Konzentrationslager verlassen durften. Grund dafür war ein Austausch der Gefangenen mit Deutschen, die aus Palästina zurückkehren sollten, um im Weltkrieg zu kämpfen. Dass Großvater Bergenthal sich und seine Familie aus dem Lager freigekauft hatte, erfuhr Monika Jalili erst Jahrzehnte später. In Palästina blieb die Familie schließlich zwei Jahre – für Walther Bergenthal die glücklichste Zeit seines Lebens.
1946 – Walther Bergenthal war 12 Jahre alt – kehrten die Bergenthals nach Amsterdam zurück. Jalili konnte ihren Vater nie fragen, wie es war, wieder in die gleiche Schule wie vor der Deportation zu gehen. Zeit seines Lebens sprach er nie über seine Erlebnisse, bis seine Tochter Monika ihm schließlich Fragen stellte. In ihrem Vortrag berichtet sie, dass er wohl immer in der Furcht gelebt habe, wieder mitgenommen zu werden. So habe er 25 Jahre lang einen Koffer mit Wertgegenständen bei sich getragen, um im Notfall für seine Freiheit bezahlen zu können, genauso wie es sein Vater einst getan hatte. Zum Glück kam die Familie nie wieder in diese Bedrängnis.
Bei ihren Recherchen für ihr Projekt entdeckte Monika Jalili ein Klassenfoto von einem Mitglied ihrer Familie, auf dem auch Anne Frank zu sehen ist. Doch während die Bergenthals einen Ausweg finden konnten, sind Anne Frank und Millionen andere jüdischen Menschen in Vernichtungslagern ermordet worden. Davon möchte Jalili erzählen, denn es ist wichtig zu wissen, wozu Menschen fähig sein können. Das darf nie vergessen werden.